Mašek Jiří

Ich bin Bildhauer aus Písek, wo ich die künstlerische Metallgestaltung studiert habe. In meiner Arbeit interpretiere ich den klassischen figurativen Realismus neu, indem ich ein Spannungsfeld zwischen handwerklicher Präzision und der Spontaneität des Materials schaffe. Das zentrale Motiv meiner Skulpturen ist das menschliche Gesicht. Ich versuche, einen Ausdruck einzufangen, der die Persönlichkeit charakterisiert, und gleichzeitig die feinen Details des Gesichts zu bewahren.

Mich fasziniert das kontrollierte Chaos beim Gießen von Blei und Zinnlegierungen: jener Moment, in dem das glühende Metall an die Grenzen der Gussform drängt und sich seine Oberfläche mit Kratern, Narben und Oxidationsspuren überzieht. Das Blei beschädigt die Form oft unwiederbringlich, weshalb viele Abgüsse nur in begrenzter Stückzahl entstehen, manchmal sogar als Unikate. So tritt zum präzise modellierten Erscheinungsbild ein Element des Zufalls hinzu, das dem Werk Lebendigkeit verleiht und Raum für Reflexionen über die menschliche Existenz eröffnet.

Ich wähle Blei aufgrund seiner Symbolik, seines Gewichts und seines historischen Gedächtnisses. Als Material begleitet es die Zivilisation seit der Antike, hat immer wieder seine Form verändert und ist doch stets dasselbe geblieben. Ähnlich kehren im Laufe der Geschichte dieselben existenziellen Fragen immer wieder zurück. Deshalb porträtiere ich Persönlichkeiten, deren Lebensgeschichten mich berührt haben und deren Gedanken und Taten dem menschlichen Denken neue Impulse verliehen haben – wie altes Blei, das in eine bislang ungesehene Form gegossen wird.

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